Das Kriegsopferdenkmal
als Neuinterpretation für die hölzerne Gefallenen-Tafel wurde von Pfr. Fasching (2003-2008) angeregt. Die Namen der gefallenen Soldaten bleiben in einem Gedenkbuch erhalten. Das Neues Betonrelief von Frau Angelika Rattay (*1974) wird im Nov 2008 beim Turmaufgang montiert und im Rahmen der Kirchenrenovierung 2016 an den Ort der alten Kanzel verlegt. Die Grundidee war, allen Opfern des Krieges, nicht nur den Soldaten, ein gemeinsames Denkmal zu widmen, welches alle Folgen eines Krieges darstellt. Das Relief wurde zunächst in Ton geformt und mit Hilfe eines Gipsabdruckes (Negativbild) in Weiß-Beton gegossen.
Die 3-Teilung ist thematisch und produktionstechnisch bestimmt. Das verbindende Teil ist der am Boden liegende Mensch, bewusst unklar ob Soldat oder Zivilist. Die Gesichtslosigkeit ist ein gewolltes Stilmittel der Künstlerin zur Anonymisierung und ermöglicht so die Identifikation mit unterschiedlichen Personen. Die Bewegung erfolgt von rechts nach links. Im rechten Teil sehen wir die gleichgeschalteten Soldaten, welche nicht nur perspektivisch lange Beine und einen kleinen Kopf haben und über dem Kopf des liegenden Opfers hinwegschreiten. Der Marsch gegen die Leserichtung zeigt die Rückwerts-Gewandtheit des Krieges als Lösung für Probleme. Durch die Dichte der parallelen kantigen Figuren wird Bewegung und Masse verdeutlicht. Inspiration dazu gab das Bild „Nude“ von Marcel Duchap (1912).
Der überdimensional große Mittelteil zeigt das Näherkommen der Gefahr. Angesichts der Nähe zu den Opfern beginnt sich der Gleichklang der Soldaten aufzulösen, einige kommen aus dem Takt, als würden sie ihr Tun hinterfragen.
Der Linke Teil ist in sich wieder dreigeteilt. In der Kopfzeile schwebt eine unfertige – die linke Hälfte ist nur angerissen - und gleichzeitig bereits zerbröselnde erhaben ausgeführte Friedens-Taube. In der Mitte steht die zwischen Angst und Fürsorge für das Kind hin und her gerissene doppelköpfige weinende Mutter. Die Angst überwiegt, sie schlägt die Hände vor’s Gesicht, das Kleinkind entgleitet und im Fallen streckt es vergeblich um Hilfe flehend die Hände nach der Mutter aus. In der Fußzeile kreuzen sich die Beine des sterbenden Opfers mit den Beinen der Mutter und erinnern so, dass alle dem Tod geweihte Opfer des Krieges sind. Inspiriert ist dieser Teil des Gesamtwerkes durch „Guernica“ von Pablo Picasso (1937).